RSS ist tot! Lang lebe RSS!

RSS Collage

Kürzlich hat ein Artikel bei TechCrunch mit der Headline «Rest in Peace, RSS» für einigen Aufruhr in der Blogosphäre gesorgt. Grund für die Empörung: Autor Steve Gillmor hat in einem provozierenden Beitrag kurzerhand die Technologie RSS für tot erklärt.

Bereits im ersten Absatz macht Gillmor seine Haltung klar:

It's time to get completely off RSS and switch to Twitter. RSS just doesn't cut it anymore. The River of News has become the East River of news, which means it's not worth swimming in if you get my drift.

Und einige Zeilen weiter verdeutlicht er:

Twitter, Facebook, FriendFeed − whatever they grew from, they morphed into a realtime CMS for the emerging media. Twitter, not RSS, became the early warning system for new content. Facebook, not RSS, became the social Rolodex for events, casual introductions to RSS' lifeblood, the people behind the feeds. FriendFeed, not RSS, captured the commentsphere. RSS got locked out of its own party. 

Das ist starker Tobak. Da schreibt einer über den Untergang einer Technologie, die in Wahrheit in weiten Teilen der Bevölkerung und in vielen Unternehmen noch gar nicht angekommen ist (siehe z.B. Studie von Forrester Reasearch von Oktober 2008).

Grafik: Verbreitung von RSS in Nord Amerika

Grafik: Verbreitung von RSS in Nord Amerika

Doch wie schlecht steht es wirklich um RSS? Und in welche Richtung wird sich die Technologie weiter entwickeln? Es ist Zeit für eine Bestandesaufnahme.

Was ist RSS?

RSS steht für Really Simple Syndication und ist ein plattformunabhängiges Format, um Webinhalte zu abonnieren. RSS erlaubt es einem also, direkt über Aktualisierungen im Netz informiert zu werden, ohne die einzelnen Webseiten manuell durchsuchen zu müssen.

Zum Lesen von RSS-Feeds benötigt man einen so genannten RSS-Reader. Wir können aus eigener Erfahrung folgende Client-Reader empfehlen:

Nebst Client-Lösungen gibt es ausserdem verschiedene Web basierte Services wie Bloglines oder Gmail und auch die meisten Internet-Browser (Firefox, Safari, Opera oder Internet Explorer) erkennen heute automatisch, ob die besuchten Webseiten einen RSS-Feed anbieten.

Um nun Inhalte einer Website via RSS zu abonnieren, kopiert man sich den Link des RSS-Feeds und fügt diesen in seinen bevorzugten RSS-Reader ein.

Die Einsatzgebiete von RSS

Unternehmen mit einer zeitgemässen Online-Kommunikation kommen an RSS nicht vorbei. Die eigenen Pressemitteilungen und andere aktuelle Mitteilungen lassen sich hervorragend als RSS-Feed verbreiten. Vor allem Journalisten sind für diese Art der Content-Distribution dankbar. Denn anstatt neue Informationen auf verschiedenen Webseiten suchen zu müssen, erledigt der RSS-Reader die Aktualisierungen automatisch

Die mittels RSS-Feed verbreiteten Inhalte bleiben ausserdem nicht auf einem Spam-Filter hängen und können problemlos in anderen Webseiten eingebunden werden. Gerade letzterer Punkt erfreut sich bei Webseiten-Betreiber zunehmender Beliebtheit (sog. Content Syndication).

RSS eignet sich auch für ein effizientes Online-Monitoring. Denn dank RSS-Abonnements der wichtigsten Webseiten von Mitbewerbern sowie thematischen Feeds der einschlägigen PR-Portale lassen sich an einer zentralen Stelle und in kürzester Zeit grosse Mengen an Informationen organisieren und verarbeiten.

Fazit

RSS ist als Technologie und Werkzeug im Bereich des Informationsmanagements alles andere als tot. Im Gegenteil: In vielen Unternehmen und Branchen setzt sich erst jetzt die Erkenntnis durch, dass RSS ein Multitalent bei der täglichen Informationsbewältigung ist.

Denn im Gegensatz zu Push-Diensten (z.B. E-Mail) gilt RSS als Pull-Dienst, bei dem der Nutzer mittels Abonnieren von Feeds selbst bestimmt, welche Informationen er erhalten möchte. Davon profitieren im Unternehmen besonders Mitarbeiter in Abteilungen wie der Corporate Communications oder des Knowledge Managements, wo täglich grosse Mengen an Informationen verarbeitet werden müssen.

In einem Punkt hat Gillmor hingegen Recht: RSS-Feeds eignen sich nicht für jegliche Form der Live-Kommunikation. Hier haben sich eindeutig soziale Netzwerke wie Facebook oder Microblogging-Dienste wie Twitter durchgesetzt.


Kommentare RSS: title= Kommentare als RSS-Feed

  • Von: Steve
  • , 19. Mai 2009,
  • 11:10

Gillmor ist clever genug, um zu wissen, wie man die Aufmerksamkeit der Meute erzeugt. Mit ausgewogenen Blogposts holt man heute doch Niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.

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