Was bedeutet eigentlich Cloud Computing?

Seit einiger Zeit macht im Internet das Schlagwort «Cloud Computing» die Runde. Doch woher stammt der Begriff eigentlich? Und was bedeutet er für den normalen Nutzer?

Cloud Computing (engl. für Rechnen in der Wolke) ist ein Begriff aus der Computertechnik. Eine gute Definition findet man beispielsweise bei Wikipedia:

Cloud Computing ist die Nutzung von Software und Hardware als Service übers Internet von Anbietern, die irgendwo sitzen können.

Mit anderen Worten: Daten und Anwendungen befinden sich nicht mehr auf dem lokalen Rechner, sondern – metaphorisch gesprochen – in einer Wolke (Cloud), womit eine Vielzahl von entfernten Datenzentren gemeint ist, die über das Internet miteinander vernetzt sind. Als Nutzer kann man auf diese Weise überall dort auf seine Daten und Anwendungen zugreifen, wo man eine Internetverbindung hat.

Grafik: Cloud Computing
Originalgrafik: Infreemation.net

Was zunächst verrückt klingt, ist bereits Realität. So speichern beispielsweise heute schon Millionen private Nutzer ihre Daten in Form von Texten, Tabellen, Fotos, Terminen und E-Mails bei Microsoft, Google oder Apple und verschiedenen anderen Dienstleistern.

Aber auch Betreiber von kommerziellen Internetseiten lagern ihre Daten immer häufiger auf externe Rechenzentren aus. Als grosser Vorreiter des Cloud Computings im B2B gilt der weltweit grösste Online-Händler Amazon. Was zunächst nur für die eigenen Online-Shops gedacht war, hat sich über die Jahre schnell zu einem komplett neuen Geschäftsfeld entwickelt. Im Gegensatz zu Microsoft, Google oder Apple hat Amazon mit seinem Angebot jedoch keine Ambitionen, eine Dienstleistung für die breite Masse aufzubauen. Dem Unternehmen geht es um professionelle Anwender, die Speicherplatz günstig über eine externe Infrastruktur einkaufen statt teuer selbst aufbauen möchten.

In eine ähnliche Richtung steuert auch IBM mit seiner Initiative «Blue Cloud». Das Angebot richtet sich ebenfalls an Firmenkunden und bietet nebst der Vermietung von Infrastruktur verschiedene Dienstleistungen, die laufend ausgebaut werden. So hat das Unternehmen erst gerade jüngst angekündigt, noch im Verlauf von 2009 einen Online-Backup Service für Unternehmen auf den Markt zu bringen, der je nach Kapazitätsverbrauch bezahlt wird.

Im folgenden Video-Beitrag stellt Dennis Quan, CTO von IBM, das Angebot selbst vor:



Doch längst nicht alle Experten halten das Thema Cloud Computing für den nächsten grossen Megatrend. Bei Hewlett-Packard (HP) beispielsweise vernimmt man wesentlich leisere Töne. CTO Russ Daniels hat sich in einem Bericht der Computer Zeitung kürzlich wie folgt geäussert:

Cloud ist ein Megatrend und die potenziellen Businessvorteile sind unbestreitbar, aber es gibt noch viel Arbeit um Cloud-Computing sicher und interoperabel zu gestalten. ...

... Cloud-Computing hebt erst dann richtig ab, wenn alle Best-Practice Anwendungen über offene Standards verknüpfbar sind; erst dann gibt es ein Ubiquitious-Computing, das auch für kritische Applikationen eine sichere On-Demand-Plattform bietet. 

Harsche Kritik am Thema kommt auch von Richard Stallman, einem der Urväter der freien Software-Bewegung (Open Source) und Entwickler des ersten freien Betriebssystems (GNU). Er warnte in einem Interview mit der britischen Zeitschrift Guardian vor den Auswirkungen des Cloud Computings.

The concept of using web-based programs like Google's Gmail is "worse than stupidity". ...

... Cloud computing is simply a trap aimed at forcing more people to buy into locked, proprietary systems that cost them more and more over time.

Stallman rät den Nutzern darauf zu achten, die Kontrolle über ihre Informationen zu behalten, statt diese in die Hände von externen Dienstleistern zu geben. 

Zugegeben sind noch längst nicht alle Bedenken in Sachen Sicherheit, Verfügbarkeit und Servicequalität ausgeräumt. Doch das Rechenzentrum der Zukunft – zumindest im B2B – wird vermutlich schon bald in der Wolke liegen.


Backlinks

zurück zur Übersicht


DCC GmbH

© 2012, DCC GmbH