Web 2.0 - Freund oder Feind?

Die Frage nach dem Sinn oder Unsinn des Web 2.0 wird unlängst auch im deutschsprachigen Europa gestellt. Doch eine sachliche Debatte scheint unmöglich. Während die Befürworter in den Technologien des Web 2.0 die lang ersehnte Demokratisierung der Medien sehen, zeichnen die Kritiker ein düsteres Bild der Zerstörung unserer Kultur.

Einer der schärfsten Kritiker des Web 2.0 ist Andrew Keen, Autor des Buchs 'the cult of the amateur'. In der letzten Ausgabe des Magazins konnte man seine These des Untergangs der Kreativität ebenfalls lesen.

Die Folgen der gegenwärtigen digitalen Medienrevolution sind gravierend. Apple, Google und Craigslist krempeln unsere kulturellen Gewohnheiten um, verändern die Art und Weise, wie wir uns unterhalten, ja wie wir uns definieren. Traditionelle «elitäre» Medien werden von den digitalen Technologien zerstört. 

Wie Christian Röthlisberger in seinem Kommentar richtig festhält, erinnert die düstere Vision Keens irgendwie an das Zeitalter der ersten Dampfmaschine, wo die Menschheit auch glaubte, der technische Fortschritt sei Teufelswerk.

Klar wird in einem virtuellen demokratischen Raum, in dem auch Amateure ihre Meinung frei äussern können, die Mediokrität gefördert. Auf der anderen Seite sind die Grenzen zwischen Objektivität und Selbstdarstellung häufig fliessend. Und das übrigens auch im klassischen «elitären» Journalismus.

Keen's These steht auf wackligen Füssen und wirkt versnobt, denn sie unterschlägt die realen Verhältnisse der gegenwärtigen Zeit. Nicht jeder, der dank den Technologien des Web 2.0 die Möglichkeit dazu hätte, publiziert Inhalte im Netz. Im Gegenteil: nach wie vor ist es nur ein kleiner Teil, der als Citizen Journalists aktiv wird.

Die überwiegende Mehrheit konsumiert die Inhalte. Und dabei spielt wie immer der Markt. Nur die wirklich interessanten Inhalte werden gelesen. Der Rest geht irgendwo im endlosen Gewusel des Internets unter. Und sind wir Mal ehrlich: Wer glaubt denn schon an einen völlig unabhängigen Journalismus oder an einen selbstlosen Journalisten? In einer Informationsgesellschaft, die von Oberflächlichkeit und Ego-Kult lebt, sind die Grenzen zwischen Objektivität und Selbstdarstellung häufig fliessend.

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